
Aufgabenketten
Teil von Prozessautomatisierung planen mit Werkzeugklasse Freigabe Schnittstelle und Kosten
Regel und Ausnahme trennen: So zerlegen Sie eine Aufgabe in Bedingungen
Regel und Ausnahme trennen: So zerlegen Prozessverantwortliche eine Aufgabe wie die Rechnungsfreigabe in prüfbare Bedingungen, Ausnahmen und Entscheidungstabellen.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Trennen Sie den Normalfall (Regel) zuerst von allen Abweichungen (Ausnahmen).
- Notieren Sie jede Bedingung mit Feld, Operator, Wert und Bezugsgrenze.
- BPMN-Gateways bilden Verzweigungen ab, Entscheidungstabellen prüfen Kombinationen.
- Jede Ausnahme erhält einen eigenen Weg, einen Verantwortlichen und eine Frist.
- Automatisiert wird erst, wenn Regel und Ausnahme vollständig schriftlich vorliegen.
Rechnungsfreigabe: zuerst den Normalfall beschreiben
Eine Aufgabe wird erst automatisierbar, wenn ihr Ablauf in einzelne Entscheidungen zerfällt. Bei einer Rechnungsfreigabe lautet die Regel: Rechnungsbetrag unter der Freigabegrenze, Bestellung vorhanden, Lieferant im Stammdatensatz. Treffen alle drei Bedingungen zu, läuft die Zahlung ohne menschliche Prüfung.
Jede Bedingung wird mit vier Bestandteilen notiert: Feld (Rechnungsbetrag), Operator (kleiner als), Wert (800) und Bezugsgrenze (netto, ohne Umsatzsteuer). Diese Schreibweise ist der Kern der Trennung von Regel und Ausnahme, weil sie sich direkt in Automatisierungslogik übersetzen lässt.
Die Prüfreihenfolge folgt den Kosten. Zuerst wird der Lieferantenstammdatensatz geprüft, dann die Bestellung, zuletzt der Betrag. Bricht eine Prüfung früh ab, entstehen keine weiteren Aufwände.
Welche Rahmenbedingungen für automatisierte Abläufe gelten, fasst das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz auf seiner Seite zur Prozessautomatisierung zusammen.
Bedingungen in fünf Schritten erfassen
- Zerlegen Sie die Aufgabe in Einzelschritte und benennen Sie den Auslöser des Vorgangs.
- Bestimmen Sie je Schritt das entscheidende Feld, etwa Betrag, Datum oder Kostenstelle.
- Halten Sie Operator, Grenzwert und Maßeinheit fest, zum Beispiel netto und in Euro.
- Sortieren Sie die Prüfungen nach Häufigkeit und Bearbeitungsaufwand.
- Notieren Sie für jeden Zweig das Ergebnisweiterleiten, prüfen, zurückweisen oder eskalieren.
Aus den ersten drei Schritten entsteht eine Entscheidungstabelle. Sie zeigt, welche Kombination welches Ergebnis erzeugt, und macht Lücken sichtbar.
| Bedingung | Prüfung | Ergebnis |
|---|---|---|
| Lieferant bekannt | Stammdatensatz vorhanden | ja: Bestellung prüfen, nein: Ausnahme A1 |
| Bestellung vorhanden | Bestellnummer zugeordnet | ja: Betrag prüfen, nein: Ausnahme A2 |
| Betrag bis 800 Euro | netto, ohne Umsatzsteuer | ja: automatische Freigabe, nein: Vier-Augen-Prüfung |
Einheitliche Begriffe erleichtern die Abstimmung über Abteilungen hinweg. Das Deutsche Institut für Normung erklärt im Basiswissen zu Normen und Standards, wie solche Regelwerke entstehen und wirken.
Ausnahmen klassifizieren, nicht sammeln
Ausnahmen sind keine Restmenge, sondern eigene Fälle mit eigenem Weg. Typisch sind vier Klassen: fehlende Stammdaten, fehlende Bestellung, Überschreitung des Grenzwerts und Sonderfälle wie Auslandslieferanten mit abweichender Steuerlogik.
Für jede Klasse legen Sie drei Angaben fest: Wer entscheidet, welche Information zur Entscheidung fehlt, und bis wann die Klärung abgeschlossen ist. Ohne diese Angaben bleibt die Ausnahme ein manueller Störfall.
Gateways und Entscheidungstabellen verbinden
Im Prozessmodell trennen Gateways die Wege. Ein exklusives Gateway führt genau einen Pfad weiter, passend für die Betragsgrenze. Ein inklusives Gateway lässt mehrere Pfade gleichzeitig zu, wenn Bestellung und Stammdaten zugleich fehlen.
Die Entscheidungstabelle bleibt die Prüfinstanz. Sie erzwingt Vollständigkeit, weil jede Kombination ein Ergebnis erhalten muss. Werkzeuge wie SAP Build Process Automation verknüpfen Modell, Tabelle und Ausführung, sodass geänderte Grenzwerte ohne Neuprogrammierung greifen.
Häufige Fragen
Wie viele Ausnahmen sind normal?
Zählen Sie die Ausnahmen monatlich und getrennt nach Klasse. Wächst der Anteil, prüfen Sie zuerst, ob Grenzwerte oder Stammdaten die Ursache sind.
Reicht eine Entscheidungstabelle als Dokumentation?
Sie dokumentiert Bedingungen, nicht Verantwortlichkeiten. Ergänzen Sie je Ausnahme den Entscheider und die Frist, sonst fehlt der Bearbeitungshinweis.
Wann darf eine Bedingung automatisch geprüft werden?
Wenn das Feld maschinenlesbar vorliegt und der Grenzwert eindeutig ist. Freitextfelder und Sonderfälle bleiben beim Menschen.
Woran erkennt man eine schlecht geschnittene Regel?
Sie enthält Ausnahmen in der Bedingung selbst, etwa bei Auslandslieferanten. Solche Zusätze gehören in einen eigenen Zweig.



