Prozesswerkzeuge
Teil von Prozesswerkzeuge vergleichen: Funktionen, Kosten und Einführungsaufwand
Open-Source- und kommerzielle Prozesswerkzeuge im Vergleich
Open-Source- und kommerzielle Prozesswerkzeuge im Vergleich: Lizenzkosten, Support und Anpassbarkeit von Camunda, Bonita, SAP Signavio und Nintex.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Camunda Community und Bonita Community sind ohne Lizenzgebühr nutzbar, der Betrieb bleibt eigene Aufgabe.
- SAP Signavio, Nintex und SAP Build Process Automation werden als Abonnement mit Service-Level verkauft.
- Lizenzkosten sind nur ein Teil der Rechnung, weil Updates, Monitoring und Personal hinzukommen.
- Anpassbarkeit ist bei Open Source technisch offen, bei kommerziellen Werkzeugen vertraglich gerahmt.
- Freigabe- und Sicherheitsanforderungen aus dem IT-Grundschutz gelten unabhängig vom Lizenzmodell.
Wie sich die Lizenzmodelle unterscheiden
Camunda stellt die Community Edition von Camunda Platform 7 unter der Apache-Lizenz 2.0 bereit. Bonitasoft veröffentlicht die Bonita Community Edition unter der GNU General Public License in Version 2. Beide Varianten dürfen ohne Lizenzgebühr installiert, verändert und weitergegeben werden. Einen Anspruch auf Fehlerbehebung innerhalb einer Frist gibt es nicht.
Kommerzielle Anbieter verkaufen Nutzungsrechte im Abonnement. SAP Signavio läuft als Cloud-Dienst, Nintex als Plattform-Abo. SAP Build Process Automation wird über die SAP Business Technology Platform bereitgestellt und nutzungsabhängig abgerechnet, wie die Produktseite zur Prozessautomatisierung zeigt (SAP Produktseite zur Prozessautomatisierung). Listenpreise veröffentlichen die Anbieter selten, die Abrechnung erfolgt nutzer- oder nutzungsabhängig.
Der eigentliche Unterschied liegt in der Risikoverteilung. Open Source verlagert Wartung, Updates und Fehlerbehebung in das eigene Haus. Ein kommerzieller Vertrag verschiebt diese Aufgaben gegen laufende Zahlungen zum Anbieter.
Lizenzkosten, Support und Anpassbarkeit im Direktvergleich
| Kriterium | Open Source, etwa Camunda Community und Bonita Community | Kommerziell, etwa SAP Signavio, Nintex und SAP Build Process Automation |
|---|---|---|
| Lizenzkosten | keine Lizenzgebühr | Abonnement, meist jährlich abgerechnet |
| Quellcode | einsehbar und veränderbar | in der Regel nicht einsehbar |
| Support | Community und eigene Ressourcen | Service-Level-Vereinbarung im Vertrag |
| Anpassbarkeit | technisch offen, erfordert eigene Entwicklung | über Konfiguration und Erweiterungspunkte |
| Betrieb | eigene Infrastruktur oder eigene Cloud | meist SaaS aus der Anbieter-Cloud |
| Upgrade-Zyklen | selbst gesteuert | vom Anbieter vorgegeben |
Bei Open Source entfällt die Position Lizenzgebühr vollständig. Dafür entstehen Personal- und Infrastrukturkosten, die in keiner Bestellposition auftauchen. Kommerzielle Anbieter bündeln Betrieb, Updates und Support in einer wiederkehrenden Gebühr.
Der Funktionsumfang verschiebt sich mit der Zeit. Formularerstellung und Prozessanalyse sind bei kommerziellen Plattformen häufig enthalten, während sie in Open-Source-Umgebungen separat ergänzt werden. Der Vergleich gehört deshalb auf die Funktionsebene, nicht allein auf den Listenpreis.
Förderung und Rahmenbedingungen in Deutschland
Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz bündelt Hinweise zur Prozessautomatisierung und zu passenden Förderprogrammen (Prozessautomatisierung und Förderung beim BMWK). Für Open-Source-Beauftragte ist das in zweifacher Hinsicht relevant.
Erstens sind Fördermittel häufig an ein dokumentiertes Einführungsvorhaben gebunden. Ein Lastenheft mit Betriebskonzept, Schnittstellenliste und Exit-Szenario gehört deshalb vor die Werkzeugentscheidung.
Zweitens verlangen öffentliche Zuwendungen eine Wirtschaftlichkeitsbetrachtung. Wer Open Source einsetzt, sollte Personal- und Betriebskosten genauso ausweisen wie eine Lizenzgebühr. Sonst wirkt der Verzicht auf Lizenzzahlungen wie ein Nulltarif.
Nachweispflichten und Sicherheitsanforderungen
Ein weiterer Punkt ist die Wechselwirkung mit bestehenden Systemen. Open-Source-Werkzeuge lassen sich über offene Schnittstellen anbinden, kommerzielle Plattformen liefern vorgefertigte Konnektoren. Wer viele SAP-Systeme betreibt, gewinnt Integrationstiefe und bindet sich zugleich an den Anbieter.
BPMN 2.0 als Modellierungsstandard wird von beiden Lagern unterstützt. Der Unterschied zeigt sich im Betrieb, denn ohne eigene Plattformmannschaft bleiben Sicherheitsupdates und Monitoring liegen. Die Schnittstellenfrage entscheidet mit über die laufenden Kosten.
Hinzu kommen Nachweispflichten. Der IT-Grundschutz des BSI verlangt dokumentierte Freigaben, definierte Schnittstellen und ein Berechtigungskonzept, wobei die greifenden Bausteine von der Schutzbedarfseinstufung abhängen (IT-Grundschutz des BSI). Das gilt für selbst betriebene wie für gemietete Werkzeuge.
Fünf Prüfschritte vor der Werkzeugwahl
- Prozesslandschaft erfassen und Zahl der Nutzer, Rollen und Schnittstellen schätzen.
- Betriebsmodell festlegen: eigene Infrastruktur, Anbieter-Cloud oder Mischbetrieb.
- Supportweg klären: eigenes Team, Dienstleister oder Vertrag mit Service-Level.
- Anpassungsbedarf gegen die tatsächlich verfügbaren Erweiterungspunkte abgleichen.
- Exit-Szenario prüfen: Datenexport, Modellportabilität und Vertragslaufzeit.
Häufige Fragen
Sind Open-Source-Prozesswerkzeuge kostenlos?
Die Lizenz ist kostenfrei, der Betrieb nicht. Für Installation, Updates, Monitoring und Support fallen Personal- oder Dienstleisterkosten an.
Welche Rolle spielt BPMN 2.0 beim Vergleich?
BPMN 2.0 ist ein offener Standard, den Camunda, Bonita und die kommerziellen Werkzeuge unterstützen. Wie gut Modelle zwischen Systemen übertragbar sind, unterscheidet sich je nach Hersteller.
Wann lohnt sich ein kommerzielles Abonnement?
Wenn Service-Level, Betriebsverantwortung und Updates vertraglich abgesichert sein müssen und das eigene Team diese Aufgaben nicht dauerhaft übernehmen kann.
Wie beeinflusst der IT-Grundschutz die Werkzeugwahl?
Er schreibt Prozesse und Nachweise vor, nicht ein einzelnes Produkt. Beide Modelle sind nutzbar, solange Freigaben, Schnittstellen und Berechtigungen dokumentiert sind.
Ändert sich der Vergleich durch Process Mining?
Process Mining ist bei kommerziellen Plattformen wie SAP Signavio häufig eingebaut. In Open-Source-Umgebungen wird es meist über separate Werkzeuge ergänzt.